Es sei schöner, ein Geschenk zu Lebzeiten zu machen, als wenn man unter der Erde weile.
Mit diesem Gedanken erhielt meine Kundin einen alten Entourage-Ring von ihrer Mutter geschenkt, mit der Aufforderung, was Schönes aus ihm machen zu lassen. Das alte Schmuckstück war mit einem ovalen Saphir und einigen Brillanten ausgestattet. Ich entwickelte mit der Kundin in einem ausführlichen Beratungsgespräch verschiedene Ideen, schnell fand sie jedoch an einer Variante gefallen, die wir weiter verfolgten und konkretisierten.
In meinem Atelier machte ich mich dann an die Arbeit und fertigte erst ein Modell aus Wachs. Die Kundin war vollends begeistert, als sie diesen Rohling sah und ich durfte mich an die Ausführung des Ringes machen.
Der neue Ring stützt sich auf einer handgestalteten Oberflächenstruktur, kombiniert mit einer sandgestrahlten matten Teilfläche als Kontrast. Durch den blauen Saphir und die Brillanten erhielt der Ring seine finale Erscheinung.
Was mich an diesem Werk besonders fasziniert sind die verwendeten Materialien: Sowohl die Steine als auch das Metall gehören zu den härtesten Werkstoffen überhaupt: Titan, Diamant und Korund (zu dem der Saphir gehört).
Was ein Entourage-Ring ist
Entourage bedeutet Umgebung, und genau das beschreibt die Bauweise: Ein grösserer Mittelstein wird von einem Kranz kleinerer Steine umgeben. Der Effekt ist, dass der Mittelstein grösser wirkt, als er ist, weil die Umrandung das Auge auf ihn führt.
Solche Ringe waren über Jahrzehnte sehr verbreitet, und deshalb landen sie häufig bei mir: Die Steine sind gut, die Form wirkt zeitgebunden.
Beim Umgestalten ist die Frage immer dieselbe: Bleibt die Anordnung erhalten oder nicht? Behält man sie, bleibt der Charakter, und der Ring wirkt weiterhin klassisch. Löst man sie auf und verteilt die Steine neu, entsteht etwas Eigenes, aber die Herkunft ist nicht mehr erkennbar. Beides ist legitim, und diese Entscheidung fällt im Gespräch und nicht am Werktisch.
Die härtesten Materialien in einem Stück
Der Beitrag weist auf etwas hin, das ich selbst spannend finde: In diesem Ring stecken drei der widerstandsfähigsten Werkstoffe, die es für Schmuck gibt.
Diamant liegt mit einer Mohshärte von 10 an der Spitze der Skala, er ist das härteste natürliche Mineral. Korund, zu dem Saphir und Rubin gehören, folgt mit 9, was einen deutlich grösseren Abstand bedeutet, als die Zahlen vermuten lassen, denn die Skala ist nicht linear. Titan ist als Metall nicht mit derselben Skala vergleichbar, gehört aber zu den härtesten und zähesten Werkstoffen, die im Schmuck verwendet werden.
Für einen Ring, der täglich getragen werden soll, ist diese Kombination praktisch ideal. Der wichtigste Punkt bleibt aber die Bauweise: Selbst der härteste Stein nützt nichts, wenn die Fassung nachgibt. Deshalb sitzen die Steine tiefer als die Ringfläche.
Struktur neben sandgestrahlter Fläche
Zwei Oberflächen in einem Ring, und beide sind matt, was zunächst nach wenig Kontrast klingt. Der Unterschied liegt in der Art des Mattseins.
Eine von Hand gearbeitete Struktur ist unregelmässig, hat Höhen und Tiefen und wirft Schatten. Eine sandgestrahlte Fläche ist gleichmässig feinkörnig, sie streut das Licht in alle Richtungen und bleibt ruhig. Nebeneinander liest das Auge lebendig gegen ruhig, und das funktioniert besser als hell gegen dunkel, weil es subtiler ist.
Was Sie zur Pflege wissen sollten: Eine sandgestrahlte Fläche verliert bei Politur ihren Charakter, denn sie wird dabei geglättet. Also keine Polierpaste, sondern warmes Wasser und eine weiche Bürste. Auffrischen gehört ins Atelier.
Wenn Sie ein Erbstück haben, dessen Steine weiterleben sollen, melden Sie sich bei mir.









Extrem schöne Stücke, die du da produzierst. Ich wünsche dir noch weiterhin sehr viel Glück und Erfolg!
Ich denke, dass ich bei dir etwas richtig Schönes für meine Frau finden werde. Deine Werke sind wirklich einzigartig. Weiter so!