Aus Altgold entsteht Neues: Fingerring mit Brillanten
Schmuck ist Vertrauenssache… die Kundin, welche dieses besondere Stück nun trägt, schenkte mir definitiv ihr ganzes Vertrauen.
Sie besuchte mich mit einer Handvoll altem Schmuck und bat mich, sie mit einem daraus neu gestalteten Fingerring zu überraschen. Der Gelbgold-Anteil wurde hierzu eingeschmolzen und zu einem neuen Ring gegossen. Die weissen Brillanten entnahm ich aus dem alten Schmuck und ergänzte sie später mit einem akzentuierenden, blauen Brillanten im ebenso neuen Weissgold-Element. Durch die zweifarbige Ausführung kann der Ring mit beliebigem anderem Schmuck kombiniert werden.
Wie aus Altschmuck ein neues Stück wird
Diese Frage kommt bei mir im Atelier fast jede Woche, meist mit einem Beutel oder einer Schachtel in der Hand: Kann man daraus etwas machen? In den meisten Fällen ja, und der Weg sieht so aus.
Zuerst sortieren wir. Nicht alles, was in einer Schmuckschatulle liegt, ist Edelmetall, und nicht jedes Edelmetall lässt sich mischen. Ich prüfe die Stempel und bestimme, was verwendbar ist. Danach trenne ich, was zu trennen ist: Steine kommen aus ihren Fassungen, Verschlüsse und Federn aus unedlem Metall werden ausgesondert, Lötstellen berücksichtigt.
Dann wird gerechnet. Aus dem verwendbaren Material ergibt sich, wie viel Gold zur Verfügung steht, und daraus, was daraus entstehen kann. Ein grosser Ring braucht mehr Material, als viele erwarten. Wenn es nicht reicht, ergänze ich mit neuem Gold derselben Legierung, was völlig unproblematisch ist.
Erst danach wird eingeschmolzen und gegossen. Bei diesem Ring ist der Gelbgold-Anteil des alten Schmucks zu einem neuen Ring geworden, die weissen Brillanten aus den alten Stücken sind wieder eingesetzt, und dazu kam ein blauer Brillant in einem neuen Element aus Weissgold.
Was mit den alten Steinen passiert
Steine aus Altschmuck lassen sich fast immer weiterverwenden, und das ist oft der wertvollste Teil. Diamanten und Brillanten überstehen das Ausfassen in der Regel ohne Schaden. Bei weicheren Steinen wie Opal, Türkis oder Perle bin ich vorsichtiger und sage vorher, wenn ein Risiko besteht.
Manchmal stellt sich beim Ausfassen heraus, dass ein Stein einen Riss oder eine Absplitterung hat, die unter der Fassung verborgen war. Das ist unangenehm, gehört aber dazu, und ich zeige es Ihnen, bevor wir weitermachen.
Warum das eine gute Idee ist
Drei Gründe, die meine Kundschaft nennt. Der erste ist der persönliche: Das Material stammt von der Grossmutter, von der Mutter, aus der eigenen Vergangenheit, und es bleibt in Gebrauch statt in einer Schublade. Der zweite ist der wirtschaftliche: Der Materialwert kommt Ihnen zugute, und bei einem gestiegenen Goldpreis ist das ein erheblicher Anteil. Der dritte ist der ökologische: Es braucht kein neu gefördertes Gold.
Was ich dazu sagen muss: Der Materialwert deckt nicht die Arbeit. Der Preis eines umgearbeiteten Stücks setzt sich aus dem Aufwand zusammen, und das Sortieren und Ausfassen ist zusätzliche Arbeit, die bei Neumaterial wegfällt. Günstiger als eine Neuanfertigung ist es deshalb nicht immer, aber es ist etwas anderes.
Wenn Sie Altgold haben und nicht wissen, was daraus werden könnte, bringen Sie es einfach mit. Ich sehe es an und sage Ihnen offen, was möglich ist, bevor irgendetwas eingeschmolzen wird. Melden Sie sich bei mir, und wenn Sie mehr über Feingehalt und Stempel wissen möchten, lesen Sie meinen Beitrag über Karat und 750er Gold.







