In meinem gestrigen Beitrag habe ich von speziellen Oberflächenstrukturen geschrieben, welche in der Natur anzutreffen sind. Vielleicht haben Sie das Modell identifizieren können? Es war nämlich eine Litschi.
Nach dem ersten geglückten Ergebnis, habe ich natürlich den frisch gewonnenen Elan genutzt und weiter experimentiert. Nun raten Sie mal, was für Objekte dieses mal als Ausgangslage verwendet wurden.
Beim ersten Ring ist es ja noch relativ einfach zu erkennen, aber beim Zweiten? Ich bin gespannt auf Ihre Vorschläge…
Vom Naturobjekt zur Ringoberfläche
Diese Versuchsreihe war der Anfang dessen, was später meine Textura-Linie geworden ist. Angefangen hat es mit einer Litschi, deren genarbte Schale mich beschäftigte, und dann liess ich nicht mehr davon ab.
Der Weg von einem Naturobjekt zur Oberfläche im Metall führt über eine Frage: Will ich die Struktur abbilden oder ihre Wirkung erreichen? Beides führt zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Beim Abbilden überträgt man die vorhandene Oberfläche über ein Modell ins Metall. Das Ergebnis ist naturgetreu, wirkt aber manchmal wie eine Kopie und verliert an einem gewölbten Ring seine Logik, weil die Struktur nicht dorthin gewachsen ist. Beim zweiten Weg entwickelt man die Struktur von Hand, mit der Natur als Vorbild. Dann folgt sie der Form des Ringes, wird dichter, wo sich das Material wölbt, und läuft aus, wo der Ring schmaler wird. Das ist mehr Arbeit und wirkt am Ende natürlicher als das genaue Abbild.
Nicht jede Struktur funktioniert
Beim Experimentieren lernt man vor allem, was nicht geht. Sehr feine Strukturen verschwinden im Metall, weil das Material an den Spitzen nicht scharf ausformt. Sehr tiefe Strukturen schwächen den Ring, wenn er nicht kräftig genug ist. Und Strukturen mit einer klaren Richtung, etwa Rillen, wirken an einem geschlossenen Ring unruhig, weil die Richtung irgendwo umschlagen muss.
Am besten funktionieren Strukturen ohne Vorzugsrichtung: Narben, Poren, Krusten, Rindenmuster. Sie lassen sich rundum führen, ohne dass eine Naht entsteht.
Ein praktischer Vorteil kommt dazu. Auf einer strukturierten Oberfläche verschwinden Gebrauchsspuren im Muster, während sie auf einer polierten Fläche als Linien sichtbar bleiben. Ein solcher Ring altert deshalb ruhiger.
Wie es weiterging
Aus diesen Versuchen ist eine ganze Linie geworden, die inzwischen Ringe, Anhänger und Ohrschmuck umfasst, und sie wächst weiter. Weil jede Struktur von Hand entsteht, gleicht kein Stück dem anderen, und deshalb kann ich auch zu einem vorhandenen Ring nachträglich kein identisches Gegenstück anfertigen.
Mehr dazu in meinem Beitrag über Neuzugänge in der Textura-Collection, und die ganze Linie sehen Sie im Schaufenster.









beim ERSTEN Bild: Holzstamm (Rinde)
beim zweiten Bild: ?? eher unwahrscheinlich; aber ich sehe ein Gebiss :Zahnfleisch mit Zähnen??
erstes Bild: Walnuss
zweites Bild: Fuß eines Elefanten
🙂
Zahlreiche Vermutungen wurden mir zugetragen, entweder gleich hier per Kommentar oder persönlich. Es freut mich, dass so rege mitgerätselt wurde. Doch nun ist es Zeit, das Geheimnis zu lüften:
Beim ersten Ring stand eine Walnuss (Baumnuss) Modell… Mario hat dies korrekt erraten.
Das zweite Modell war deutlich schwieriger zu erraten. Hier war es ein Stück Leder…
Herzliche Grüsse
Gabriela