Nicht immer gestalten sich meine Aufgaben einfach und gewöhnlich. Besonders herausfordernd empfinde ich es, einen verloren gegangenen Ehering zu ersetzen.
Manche Kunden nutzen diese Situation, um künftig gleich etwas komplett Neues zu tragen, andere hingegen wünschen ein möglichst detailgetreues Replikat des verlorenen Objektes. Zu letzterer Gruppe gesellte sich diese Kundin, welche einen äusserst extravaganten Ehering verlor.
Anhang des übrig gebliebenen Ringes ihres Ehemanns gestaltete ich nun ein Ebenbild…
Der Ring aus 925e Sterling-Silber wird durch die wunderschöne Farbwirkung der 12 runden Lapislazuli aufgewertet.
Wenn ein Ehering verloren geht
Das passiert häufiger, als man denkt, und es tut jedes Mal weh. Meist geschieht es beim Händewaschen in einem fremden Waschbecken, beim Baden im See oder beim Ausziehen von Handschuhen. Wenn der Ring dann weg ist, stehen zwei Wege offen.
Manche nutzen den Moment für etwas Neues. Der verlorene Ring gehört zu einer Zeit, die vorbei ist, und der neue darf zum Heute passen. Das ist eine gute Entscheidung, wenn sie bewusst getroffen wird.
Andere wollen genau den alten Ring zurück, und dafür habe ich Verständnis. Bei einem Ehering geht es nicht um den Gegenstand, sondern um das, was er bedeutet, und ein anderer Ring am selben Finger fühlt sich für viele falsch an.
Was für ein Nachbau nötig ist
Am besten ist es, wenn der Ring des Partners noch da ist. Aus ihm lese ich Profil, Breite, Höhe, Oberfläche, Legierung und Machart ab, und wenn beide Ringe damals als Paar entstanden sind, sind das genau die Angaben, die ich brauche.
Ohne Gegenstück wird es schwierig, aber nicht unmöglich. Dann helfen Fotos, am besten scharfe Aufnahmen aus mehreren Winkeln und mit etwas Bekanntem als Grössenvergleich. Was auf Fotos meist nicht erkennbar ist, sind die Innenmasse und die genaue Legierung. Beides müssen wir dann festlegen, statt es abzulesen.
Ehrlich gesagt: Ein Nachbau wird dem Original sehr nahe kommen, aber nie identisch sein. Handarbeit lässt sich nicht auf den Zehntelmillimeter kopieren, und das gilt auch für meine eigene. Das sage ich vorher, damit niemand mit einer falschen Erwartung nach Hause geht.
Lapislazuli in einem Ring
Bei diesem Ring geben zwölf runde Lapislazuli die Farbe. Lapislazuli ist ein Gestein und kein einzelnes Mineral, was seine tiefblaue Farbe mit den goldenen Einschlüssen erklärt: Das Blau kommt vom Lasurit, die goldenen Punkte sind Pyrit.
Wichtig für den Alltag: Lapislazuli ist mit einer Mohshärte von 5 bis 6 weich und ausserdem porös. Er verträgt keine Säure, keine Reinigungsbäder und kein Ultraschall, und Öle und Parfum können ihn fleckig machen. Bei einem Ring, der täglich getragen wird, ist er deshalb ein Stein, der Rücksicht braucht. Reinigen nur mit einem trockenen oder leicht feuchten Tuch.
Wenn Sie einen Ring ersetzen oder nacharbeiten lassen möchten, bringen Sie mit, was Sie haben. Melden Sie sich bei mir, und wir sehen es zusammen an.







