Manchmal öffnet sich die Ladentür und ein Pärchen steuert mit ziemlich genauen Vorstellungen auf mich zu. In diesem Fall war es ähnlich und doch trotzdem ganz anders.
Es war nämlich nicht das Paar, welches mich mit der konkreten Idee konfrontierte. Eine Freundin des Paares und gleichzeitig eine meiner geschätzten ehemaligen Lehrtöchter besuchte mich zusammen mit dem Paar im Ladenatelier und zeigte mir eine detaillierte Skizze der gewünschten Eheringe. Wir besprachen Material, bestimmten die gewünschten Masse und redeten über die zu fassenden Brillanten. Schon bald waren wir uns einig und ich durfte mich ans Werk machen.
Viele Arbeitsstunden später erstrahlten dann die beiden Trauringe als Symbole für die ewige Liebe der Beiden in vollem Glanz. Sie vereinen Rot- und Weissgold, dynamische Strukturen und beim Damenmodell drei funkelnde Brillanten.
Was eine gute Skizze leistet
Eine Skizze mitzubringen ist der beste Weg, wenn man eine konkrete Vorstellung hat. Sie muss nicht schön gezeichnet sein, sondern eindeutig.
Was mir wirklich hilft: die Ansicht von der Seite, nicht nur von vorne. Daran erkenne ich das Profil, also ob der Ring flach, gewölbt oder kantig sein soll, und das entscheidet über den Tragekomfort mehr als die Ansicht von oben. Ausserdem eine Angabe zur Breite in Millimetern, notfalls mit einem Strich in der gewünschten Länge. Und ein Hinweis darauf, was das Wichtigste am Entwurf ist, denn wenn etwas nicht umsetzbar ist, weiss ich dann, worauf ich Rücksicht nehmen muss.
Was ich prüfe, bevor wir zusagen: Hält die Konstruktion im Alltag? Sitzen die Steine geschützt? Und ist die Ringgrösse für dieses Profil richtig gewählt, denn ein breiter Ring braucht oft eine Nummer mehr als ein feiner.
Rot- und Weissgold in einem Ring
Diese Kombination ist die kontrastreichste innerhalb der Goldfarben, weil warm auf kühl trifft. Beide sind 750er Gold, der Goldanteil ist also identisch; unterschiedlich ist nur, was die übrigen 25 Prozent ausmachen. Bei Rotgold ist es vor allem Kupfer, bei Weissgold meist Palladium.
Praktisch bedeutet das zwei Dinge. Rotgold ist etwas härter, was bei einer Struktur von Vorteil ist, weil die Kanten länger scharf bleiben. Und Weissgold wird üblicherweise rhodiniert, damit es strahlend weiss wirkt; wird diese Schicht nach Jahren erneuert, muss der Rotgold-Anteil abgedeckt werden, sonst wäre er nicht mehr rot. Das ist Routine, gehört aber zu den Dingen, die man bei einem zweifarbigen Ring wissen sollte.
Wer diesen Aufwand vermeiden möchte, verzichtet bewusst auf die Rhodinierung und nimmt den etwas wärmeren Eigenton des Weissgoldes in Kauf.
Drei Brillanten und ihre Anordnung
Drei Steine sind gestalterisch dankbarer als zwei oder vier, weil eine ungerade Zahl eine Mitte hat. Ob sie gleich gross sind oder gestaffelt, verändert die Wirkung deutlich: gleich gross wirkt ruhig und geordnet, gestaffelt wirkt gewachsen und gibt Tiefe.
Wichtig ist bei einem Ehering in jedem Fall, dass die Steine tiefer sitzen als die Ringfläche. Dann gleitet jeder Stoss über sie hinweg, statt die Fassung zu treffen. Mehr zu Fassungen und Materialien auf meiner Seite zu Trauringen.








