Die Kundin wünschte sich einen Ehering, der anders ist, als üblich. Er sollte pures Goldschmiedehandwerk erahnen lassen. Wir wählten als Material Palladium. Dies ist ein eher unbekanntes, aber dennoch seltenes Edelmetall, preislich rund einen Drittel unter Weissgold angesiedelt, aber durch seine reine, weisse Erscheinung von besonderer Schönheit.
Palladium und Turmalin… eine seltene, aber desto reizvollere Kombination.
Der Ring wurde handgeschmiedet, dadurch ist er auch äusserst robust und seine Oberfläche wirkt sehr originär. Ein grosser, herrlich grün leuchtender Turmalin habe ich zargengefasst exzentrisch gesetzt. Nach dem Finish kriegte der Ring noch eine Faksimile-Handgravur. Hierfür stand die Handschrift des Bräutigam Pate und wurde von Hand ins Metall gestochen.
Palladium, das unterschätzte Edelmetall
Im Text steht, dass Palladium eher unbekannt ist, und das trifft es. Dabei gehört es zur Platingruppe und hat Eigenschaften, die es für Ringe besonders geeignet machen.
Es ist von Natur aus weissgrau und bleibt es. Das ist der entscheidende Unterschied zu Weissgold, das meist rhodiniert wird, damit es strahlend weiss wirkt, und dessen dünne Rhodiumschicht sich mit den Jahren abnutzt. Bei einem Palladiumring liegt die Farbe im Material selbst, er verändert seinen Ton also nicht.
Dazu ist Palladium deutlich leichter als Platin, ungefähr halb so schwer bei gleichem Volumen, was viele beim Tragen als angenehm empfinden. Und es gilt als gut hautverträglich, weil es ohne Nickel auskommt.
Ein Hinweis zur Preisangabe im Text: Preisverhältnisse zwischen Edelmetallen verschieben sich mit dem Markt, und dieser Beitrag ist von 2011. Was heute gilt, sage ich Ihnen im Gespräch.
Turmalin, der Stein mit den vielen Farben
Turmalin ist keine einzelne Farbe, sondern eine Mineralgruppe, die praktisch das gesamte Spektrum abdeckt: grün, rosa, rot, blau, gelb, braun, schwarz und farblos. Manche Kristalle zeigen zwei Farben in einem Stein, die bekannteste Variante heisst wegen ihrer grün-roten Zonen Wassermelonen-Turmalin.
Mit einer Härte von 7 bis 7,5 nach Mohs ist er für einen Ring gut geeignet, aber empfindlicher als Saphir oder Diamant. Was Sie beachten sollten: Turmalin hat oft innere Spannungen und kann bei starken Temperaturwechseln reissen. Also kein heisses Wasser direkt nach dem Kälteeinsatz und kein Ultraschallbad.
Neben dem kühlen Weissgrau von Palladium wirkt ein kräftiges Grün besonders klar, weil kein warmer Metallton dazwischenkommt.
Zargengefasst und exzentrisch gesetzt
Eine Zargenfassung umschliesst den Stein mit einem Metallrand. Sie hält sehr sicher, schützt die Steinkanten und bleibt an Kleidung nicht hängen, lässt aber weniger Licht von der Seite an den Stein.
Exzentrisch gesetzt heisst, dass der Stein nicht in der Mitte sitzt. Das ist eine bewusste Entscheidung, die einen ruhigen Ring lebendig macht, weil das Auge eine Richtung bekommt. Bei einem handgeschmiedeten Ring mit unregelmässiger Oberfläche passt das besser als die exakte Mitte.
Zur Faksimile-Gravur, hier nach der Handschrift des Bräutigams, mehr in meinem Beitrag über Stone-Trauringe mit Faksimile-Handgravur.







