Man wächst bekanntlich an den schwierigen Herausforderungen.
So gelangte ein Paar mit genauen Vorstellungen wie ihre Traum-Eheringe auszusehen haben an mich. Die Aufgabe war anspruchsvoll: Ein aus Carbon gefertigter Innenring soll eine Einlage aus Weissgold erhalten.
Je länger ich mich mit den Entwürfen und den Ideen auseinandersetzte, desto mehr kam ich ins Schwitzen. Die beiden Materalien Carbon und Weissgold sind grundverschieden, genau wie deren Verarbeitungsmethoden. Carbon ist hitzeempfindlich und faserig… der Innenring aus Weissgold wiederum muss gelötet werden. Hier war besondere Kreativität gefragt und auch einige unkonventionelle Arbeitsmethoden kamen zum Einsatz. Doch am Schluss zählt nur das Ergebnis.
Viele Arbeitsstunden später durfte ich dem Paar die Ringe nun überreichen. Es war herrlich die Freude in den Augen der beiden Verliebten zu sehen.
Warum diese Kombination schwierig ist
Der Beitrag nennt es beim Namen: Die beiden Materialien sind grundverschieden, und ihre Verarbeitung schliesst sich gegenseitig fast aus.
Weissgold wird gelötet. Dabei fliesst ein Lot mit niedrigerem Schmelzpunkt in die Fuge, und dafür braucht es Hitze, mehrere hundert Grad. Carbon besteht aus Kohlenstofffasern in einem Kunstharz, und dieses Harz verträgt genau das nicht: Bei zu viel Hitze verfärbt es sich, wirft Blasen oder löst sich.
Die Lösung liegt in der Reihenfolge und in der Trennung der Arbeitsschritte. Alles, was am Metall erhitzt werden muss, geschieht vollständig, bevor das Carbon ins Spiel kommt. Danach darf keine Flamme mehr in die Nähe. Was danach noch zu verbinden ist, muss mechanisch gehen, über Passungen und Verstiftung.
Das klingt einfach und heisst in der Praxis, dass man von hinten nach vorne denken muss: Beim ersten Handgriff muss schon feststehen, wie der letzte aussieht. Ein vergessener Lötpunkt lässt sich nicht nachholen.
Carbon aussen oder innen
Bei diesem Paar liegt der Carbonring innen und trägt eine Einlage aus Weissgold, was die seltenere Bauweise ist. Meist ist es umgekehrt: Ein Metallring nimmt eine Carbon-Einlage auf.
Innen liegendes Carbon hat einen praktischen Vorteil: Es liegt auf der Haut, und Carbon ist leicht, warm im Griff und wird gut vertragen. Aussen ist das Metall, das den Alltag abbekommt und sich später auffrischen lässt.
Der Nachteil ist die Belastung. Der Innenring trägt die Kräfte, wenn der Ring über das Gelenk geschoben wird, und Carbon verzeiht dabei weniger als Metall. Deshalb braucht diese Bauweise mehr Materialstärke, als man von aussen ahnt.
Was Sie vorher wissen sollten
Wie bei allen Ringen mit Carbon: Die Grösse lässt sich später praktisch nicht mehr verändern. Dehnen und stauchen geht nicht, weil das Carbon nicht mitgeht, und Material einzusetzen würde es durchtrennen.
Deshalb nehmen wir bei diesen Ringen besonders sorgfältig Mass, mit dem richtigen Profil und zu einer sinnvollen Tageszeit. Wenn absehbar ist, dass sich Ihre Ringgrösse noch ändert, sprechen wir vorher darüber. Mehr dazu in Ring zu gross oder zu klein?
Zur Pflege: warmes Wasser und ein weiches Tuch. Polierpaste und starke Lösungsmittel halten Sie von der Carbonfläche fern. Weitere Kombinationen finden Sie auf meiner Seite zu Trauringen.








Die Verarbeitungsmethode mit Carbon ist eine sehr interessante Technik, welche mit Kreativität zu wunderbaren Pridukten führt. Gerade der Unterschied zwischen dem glänzend, reinen Gold oder Silber und dem dunklen Carbon ist sehr ansprechend.