Das extrem leichte Metall Titan fasziniert mich. Es ist robust, nahezu unverwüstlich, hat ein ganz eigenes Erscheinen. Der matte Glanz und das unbeschreibliche Titangrau macht Schmuckstücke einfach einzigartig. Manchmal habe ich ganz plötzlich eine Idee für ein neues Schmuckstück, so auch bei diesen Colliers. Zu später Stunde, fern ab meiner normalen Arbeitszeiten, ging ich in mein Goldschmiedeatelier und begann, mit viel Kraft das Rohmaterial zu bearbeiten. Titan ist nämlich sehr hart, was die Verarbeitung schwierig macht, unterstützt sozusagen die langsame Entwicklung jedes Tennisarms. 😉
Die Ketten habe ich aufwändig handgeschmiedet, jedes Kettenglied wurde von Hand gebogen, geschmiedet und geschweisst. Zusätzliche Glieder aus Gelbgold und Carbon verleihen den Sautoirs zusätzliche Kontraste. Das ausgeklügelte Verschlusssystem ist nahezu unsichtbar.
Es wird nicht bei diesen Modellen bleiben. Bereits arbeite ich wieder an weiteren Ideen, u.a. an Hals- und Armketten für Herren und eine ganz aussergewöhnliche Kombination von Textura-Oberflächen in Titan. Sie dürfen gespannt sein…
Warum Titanketten selten sind
Wer im Handel eine Kette aus Titan sucht, findet wenig, und der Grund ist handwerklich.
Titan lässt sich nicht löten. Bei hohen Temperaturen reagiert es mit Sauerstoff und Stickstoff aus der Luft und wird spröde, und ein normales Lot verbindet sich nicht dauerhaft damit. Jedes Kettenglied muss deshalb geschweisst werden, das heisst, die Enden werden selbst kurz aufgeschmolzen und verbinden sich direkt, ohne Zusatzmaterial. Damit dabei keine Luft an die heisse Stelle kommt, arbeitet man unter Schutzgas oder mit sehr kurzen Energieimpulsen.
Bei einem Sautoir, also einer langen Kette, kommen viele Glieder zusammen, und jedes einzelne muss gebogen, in Form gebracht, geschweisst und verputzt werden. Das ist der Grund, warum solche Ketten industriell praktisch nicht gefertigt werden: Der Aufwand pro Glied lässt sich nicht wegautomatisieren.
Dass Titan hart ist und die Verarbeitung Kraft kostet, gehört dazu. Der im Text erwähnte Tennisarm ist nur halb ein Scherz.
Was Gelbgold und Carbon dazu beitragen
Beide Materialien sind nicht nur Farbakzent, sondern haben eine Funktion.
Gelbgold ist dort im Vorteil, wo eine Verbindung gelötet werden muss, weil es sich sauber verarbeiten lässt. Aus der technischen Notwendigkeit wird ein gestalterisches Element, und der warme Ton setzt an wenigen Stellen einen Kontrast zum durchgehenden Grau.
Carbon bringt Tiefe. Bei einer Kette, die sonst aus einem Grauton besteht, fehlt dem Auge ein Bezugspunkt, und tiefschwarze Glieder geben ihn. Ausserdem ist Carbon federleicht, was bei einer langen Kette zählt.
Bei einem Sautoir ist das Gesamtgewicht der entscheidende Punkt. Eine lange Kette aus Gold wird schwer, dieselbe Länge in Titan bleibt tragbar.
Der unsichtbare Verschluss
Bei einer langen Kette, die man auch doppelt legen kann, ist ein auffälliger Verschluss störend, weil er irgendwo im Verlauf sichtbar wird und nicht bequem im Nacken sitzt.
Ein nahezu unsichtbares System löst das. Es muss dabei zwei Anforderungen erfüllen, die gegeneinander stehen: sicher halten, auch wenn an der Kette gezogen wird, und sich mit einer Hand öffnen lassen. Beides gelingt nur, wenn die Mechanik einfach bleibt.
Aufbewahren: nicht geknüllt, sondern hängend oder flach liegend. Weitere Ketten finden Sie in meinem Schaufenster für Halsschmuck.










