Kundenanfertigungen sind für mich willkommene Herausforderungen. Denn es geht dabei nicht einfach darum, ein Schmuckstück zu gestalten, sondern zuzuhören, das Gegenüber zu verstehen und fernab eingetrampelter Pfade neue Ideen zu entwickeln. Für die einen sind zwei «alte» Eheringe der Eltern einfach zwei simple Ringe, für andere haben diese eine tiefe Symbolik, erzählen eine Geschichte, lösen Gefühle und Emotionen aus.
Meine Kundin besuchte mich mit den Trauringen ihrer verstorbenen Eltern, eine Erinnerung an einen schmerzlichen Verlust. Dennoch sah sie ihre Eltern nun wieder vereint im Himmel… und auch ihr Weg wird sie irgendwann wieder mit ihren Eltern zusammenführen.
Genau dies versuchte ich mit diesem ganz persönlichen Unikat auszusagen. Die beiden Trauringe vereinte ich zu einem harmonischen Anhänger und ein stilisierter Weg ins Paradies funkelt mit seinen edlen Brillanten dem Betrachter entgegen.
Ich glaube, dass ich mit dieser Interpretation genau die Vorstellungen der Kundin treffen konnte, sie war jedenfalls sichtlich gerührt.
Wenn eine Idee zur Form werden soll
Diese Aufgabe war anders als eine gestalterische. Die Vorstellung der Kundin war kein Bild, sondern ein Gedanke: die Eltern wieder vereint, und ein Weg, der irgendwann dorthin führt.
Solche Aufträge sind die schwierigsten, weil ich etwas Unsichtbares in etwas Sichtbares übersetzen muss, und weil es kein richtig oder falsch gibt, sondern nur ein Trifft-es oder Trifft-es-nicht. Was hilft, ist Zuhören und Nachfragen, bis ich das Bild vor mir sehe, das die andere Person meint. Erst danach greife ich zum Stift.
Was hier entstanden ist, arbeitet mit zwei Ebenen: Die beiden Ringe stehen für die Eltern und sind zu einer Form vereint, die Brillanten bilden einen Weg. Beides ist ohne Erklärung lesbar, und das ist mir bei symbolischen Stücken wichtig, denn ein Schmuckstück, das eine Gebrauchsanweisung braucht, funktioniert nicht.
Zwei Ringe zu einer Form vereinen
Handwerklich ist das anspruchsvoller als das Einschmelzen, weil beide Ringe als Ringe erkennbar bleiben sollen und trotzdem ein Ganzes ergeben müssen.
Was zu klären ist: Sind die beiden gleich stark und gleich breit? Meist nicht, denn ein Herren- und ein Damenring unterscheiden sich. Und sind sie aus derselben Legierung? Bei unterschiedlichen Goldfarben entsteht an der Verbindung ein sichtbarer Übergang, was gewollt sein kann oder störend.
Beim Verbinden ist Vorsicht nötig, wenn Gravuren erhalten bleiben sollen. Eine Lötstelle braucht Platz, und Platz gibt es nur dort, wo keine Schrift steht. Das schaue ich mir vorher genau an und sage, was möglich ist.
Brillanten als Linie
Eine Reihe von Steinen, die einen Weg darstellt, verlangt eine andere Anordnung als eine schmückende Linie. Sie muss eine Richtung haben, also am Anfang anders aussehen als am Ende. Das erreiche ich über die Grössen: kleiner werdende Steine lesen sich als Weg in die Ferne, gleich grosse als Muster.
Alle Steine sitzen dabei geschützt, denn ein Anhänger wird angestossen und liegt auf der Kleidung. Wo ein Stein über die Fläche hinausragt, trifft ihn jeder Kontakt zuerst.
Wenn Sie ein Erinnerungsstück haben und einen Gedanken dazu, aber noch kein Bild, ist das der richtige Ausgangspunkt. Melden Sie sich bei mir und nehmen Sie sich Zeit für den Termin.








Danke Gaby das hesch mega schön gschribe!!! Es het mich gad nomol berüehrt!!