Schon oft beschrieb ich hier, welch grosse Faszination die Vielfalt an Perlen auf mich ausüben. Und obwohl ich nun bald seit 20 Jahren mein eigenes Goldschmiede-Atelier führe, werde ich immer wieder von den überraschenden Werken der Natur in den Bann gezogen.
Schauen Sie sich diesen wunderbaren Anhänger an… erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass hier eine Perle von ihrer Muttermuschel gefangen ist.
Diese seltene «Blisterperle» befindet sich, von der Natur so geschaffen, auf einem runden Schalenteil. Dieses schimmert und glitzert ebenso in den verschiedensten Nuancen wie die Perle selbst. Auch wenn nicht dafür vorgesehen, lässt sich dieser Anhänger beidseitig tragen.
Auch «verkehrt rum» ist dieser Anhänger ein besonderer Augenschmaus.
Die Perle ist in einen filigranen Rahmen in stundenlanger, aufwändiger Handarbeit eingepasst. Ich musste mit grosser Vorsicht und viel Geduld daran arbeiten, denn ein falscher Handgriff und das Wunderwerk der Natur wäre zerstört. Um nicht von der Wirkung der Perle abzulenken, wird der Anhänger an einer schlichten Edelstahlsaite getragen.
Was eine Blisterperle ist
Eine Blisterperle wächst nicht frei im Gewebe der Muschel, sondern an ihrer Schale fest. Sie entsteht, wenn ein Fremdkörper zwischen Schale und Mantelgewebe gerät: Die Muschel überzieht ihn mit Perlmutt, dort wo er liegt. Das Ergebnis ist eine Halbperle, die mit der Schale verbunden bleibt und sich nur mit einem Stück davon herauslösen lässt.
Genau dieses Stück Schale ist hier der Reiz. Es schimmert in denselben Nuancen wie die Perle selbst, weil es aus demselben Material besteht. Wer den Anhänger umdreht, sieht deshalb nicht eine langweilige Rückseite, sondern eine zweite Ansicht, und darum lässt er sich beidseitig tragen.
Vergleichbar sind Blisterperlen mit Mabé-Perlen, allerdings mit einem Unterschied: Eine Mabé wird gezielt erzeugt und meist hinten ausgehöhlt und gefüllt. Eine Blisterperle wie diese ist ein Zufallsprodukt und bleibt vollständig, wie sie gewachsen ist.
Warum das Fassen so heikel ist
Bei einem geschliffenen Stein weiss ich, wo ich Druck ausüben darf: auf die Rundiste, die dafür gemacht ist. Bei einer Blisterperle mit ihrem gewachsenen Schalenteil gibt es diese Stelle nicht. Der Rand ist unregelmässig dick, an manchen Stellen hauchfein, und Perlmutt splittert, wenn man es überlastet.
Der Rahmen muss deshalb der Form folgen und nicht umgekehrt. Ich arbeite ihn Stück für Stück an, prüfe ständig, wo er anliegt, und nehme dort Material weg, wo er drücken würde. Das dauert, und einen Fehler kann man nicht rückgängig machen: Ein abgesprungenes Stück Perlmutt lässt sich nicht ersetzen.
Dass der Anhänger an einer schlichten Edelstahlsaite hängt, hat denselben Grund wie die zurückhaltende Fassung. Bei einem Stück, dessen Wirkung von der Oberfläche kommt, ist alles, was Aufmerksamkeit abzieht, ein Fehler.
Pflege
Wie bei allen Perlen gilt: kein Ultraschall, keine Schmuckreiniger, kein Parfum direkt darauf. Nach dem Tragen mit einem weichen Tuch abwischen. Bei einer Blisterperle kommt hinzu, dass die Kante die empfindlichste Stelle ist, deshalb sollte sie nicht lose mit anderem Schmuck in einer Schale liegen. Weitere Arbeiten mit Perlen finden Sie in meinem Schaufenster für Halsschmuck.








