Ich mag es, wenn Widersprüchliches aufeinander prallt… zumindestens beim Gestalten von Schmuckstücken.
Gerade durch die Kombination verschiedenen Materialien oder Oberflächen beginnt sich die Wirkung in voller Pracht zu entfalten.
Dieser edle Fingerring aus 750er Weissgold ist meine jüngste Kreation, bei welcher ich diese Spannung zwischen zweier Oberflächen zur Gestaltung nutzte. Die eine Hälfte ist hochglanzpoliert, welche nahtlos in die andere Hälfte übergeht. Diese ist gebürstet und gekrazt. Die beiden Enden sind ausserdem mit je einem Brillanten ghsi 0,29 ct besetzt.
Warum zwei Oberflächen mehr sind als ein Effekt
Eine polierte und eine gebürstete Hälfte an einem Ring, nahtlos ineinander übergehend: Das klingt nach einer Spielerei und ist in Wahrheit die wirksamste Möglichkeit, einem schmalen Band Tiefe zu geben.
Der Grund liegt im Licht. Eine polierte Fläche spiegelt gerichtet, sie ist mal hell und mal dunkel, je nachdem, wie der Ring steht. Eine gebürstete Fläche streut das Licht und bleibt gleichmässig. Bewegt sich die Hand, wandert das Spiegellicht über die polierte Hälfte, während die andere ruhig bleibt. Der Ring wirkt dadurch lebendig, ohne dass sich etwas an ihm bewegt.
Der schwierige Teil ist die Grenze. Ein weicher, verwaschener Übergang lässt beide Flächen beliebig aussehen, als wäre die Politur einfach ausgegangen. Die Kante muss deshalb sauber stehen, und das verlangt beim Polieren Abdeckung und ruhige Hand, weil die Polierscheibe sonst über die Grenze hinweggeht.
Was G/H und SI bedeuten
Bei den Brillanten steht in der Beschreibung die Angabe ghsi mit 0,29 Karat, und weil das Fachjargon ist, hier die Auflösung.
G/H ist die Farbe. Diamanten werden von D bis Z bewertet, wobei D vollkommen farblos ist. G und H liegen im Bereich, den man als «fein weiss» bezeichnet: Ein Laie sieht neben einem D-Stein keinen Unterschied, und in einer Weissgoldfassung erst recht nicht. Für den Preis macht der Unterschied dagegen viel aus, weshalb G und H aus meiner Sicht der beste Punkt auf der Skala sind.
SI ist die Reinheit und steht für «small inclusions», also kleine Einschlüsse. Sie sind mit der zehnfachen Lupe zu finden, mit dem Auge nicht. Auch hier gilt: Was man nicht sieht, muss man nicht bezahlen.
0,29 Karat ist das Gewicht, denn Karat ist beim Stein ein Gewichtsmass und keine Feingehaltsangabe. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Warum diese beiden Bedeutungen so oft verwechselt werden, habe ich in meinem Beitrag über Karat und Feingehalt erklärt.
Wie sich das im Alltag hält
Beide Oberflächen verändern sich, und zwar gegenläufig. Die polierte bekommt feine Kratzer, die man vor allem im Sonnenlicht sieht. Die gebürstete wird an den Berührungsstellen leicht glänzend. Nach Jahren nähern sich die Flächen einander an, und der Kontrast wird weicher.
Das lässt sich auffrischen, und zwar beliebig oft. Bringen Sie den Ring dafür zu mir und nicht in ein Ultraschallbad, denn eine gebürstete Fläche neu anzulegen ist Handarbeit. Weitere Oberflächen finden Sie auf meiner Seite zu Trauringen.







