Meine Kundin zeigte mir einen Ring mit einem gefassten 1 ct Brillanten. Sie empfand den Ring dem edlen Stein nicht ebenbürtig, so dass sie sich ein neues Schmuckstück wünschte. Der Diamant sollte darin in neuem Glanz erstrahlen und durch eine möglichst offene Gestaltung fast vollständig sichtbar sein.
Relativ schnell erkannten wir die einzuschlagende Richtung. Ein sogenannter Spannring sollte es werden. Beim Material entschieden wir uns für Titan. Durch die enorme Härte und Spannkraft ist Titan eigentlich das perfekte Metall für einen Spannring, wenn auch in der Bearbeitung nicht ganz ohne. Viele Arbeitsstunden später durfte ich dann meiner Kundin den neuen Ring überreichen und erfreute mich an einem strahlenden Gesicht, funkelnd wie der gefasste Brillant.
Warum Titan für einen Spannring
Bei einem Spannring wird der Stein nicht von Krappen gehalten, sondern zwischen die beiden Ringenden geklemmt. Das Metall steht unter Spannung und drückt den Stein von zwei Seiten. Optisch schwebt er, und Licht kommt von allen Seiten an ihn.
Damit das funktioniert, braucht das Material zwei Eigenschaften, die selten zusammen auftreten: Es muss federn und darf sich dabei nicht dauerhaft verformen. Gold ist zu weich, die Spannung lässt mit den Jahren nach. Titan hat genau die richtige Kombination aus Härte und Rückstellkraft, weshalb es für Spannringe technisch das beste Material ist.
Der Preis dafür ist die Bearbeitung. Titan ist zäh, Werkzeuge werden schnell stumpf, und es lässt sich nicht wie Gold löten. Die Auflageflächen für den Stein müssen exakt zum Stein passen, denn hier gibt es keine Fassung, die Ungenauigkeiten ausgleicht. Das sind die vielen Arbeitsstunden, von denen im Text die Rede ist.
Einen vorhandenen Stein neu fassen
Bei diesem Auftrag war der Stein da und der Ring sollte neu entstehen. Das ist eine andere Aufgabe als eine Neuanfertigung, weil der Stein die Vorgaben macht.
Ein Brillant von einem Karat hat einen Durchmesser von etwa 6,5 Millimetern. Daraus ergibt sich, wie weit die Ringenden auseinander stehen müssen, und daraus wiederum, wie kräftig der Ring sein muss, damit die Spannung über diese Distanz trägt. Bei einem kleineren Stein wäre der Ring feiner ausgefallen.
Beim Ausfassen aus der alten Fassung prüfe ich den Stein genau. Manchmal zeigt sich dabei eine Absplitterung an der Rundiste, die unter den alten Krappen verborgen war. Das ist unangenehm, gehört aber dazu, und ich zeige es, bevor ich weitermache.
Was Sie über einen Spannring wissen sollten
Zwei Punkte, und ich sage sie immer vorher.
Die Grösse lässt sich später nur schwer ändern, weil jede Änderung des Umfangs die Spannung verändert. Bei diesem Ringtyp nehmen wir das Mass besonders sorgfältig, und ich empfehle ihn nicht, wenn absehbar ist, dass sich die Ringgrösse verändert. Mehr dazu in Ring zu gross oder zu klein?
Und geeignet sind vor allem harte Steine, also Diamanten, Saphire und Rubine. Bei weicheren oder spröderen rate ich zu einer schützenden Fassung. Mehr zu Steinen und Fassungen auf meiner Seite zu Verlobungsringen.








