Eine häufig genutzte Technik bei der Schmuckherstellung ist das Modellieren von Wachsmodellen.
Als Ausgangsmaterial verwende ich eine Röhre aus Feilwachs. Dieses blau gefärbte Wachs hat ganz spezielle Eigenschaften. Es ist zwar viel weicher als das Edelmetall des fertigen Ringes, ist aber dennoch genügend formfest und kann daher mit Fräsen, Feilen und Stichel bearbeitet werden.
Zuerst wird der Rohling gefertigt. Hierzu wird der Innendurchmesser auf die gewünschte Ringgrösse zurecht gefeilt. Danach arbeitet man vorsichtig das gewünschte Schmuckstück aus dem Material heraus. Je nach Fingerfertigkeit und Erfahrung lassen sich von ganz einfachen Modellen bis hin zu aufwändigen und filigranen Varianten alle möglichen Ideen verwirklichen.
Vom Wachsmodell wird danach eine Gussform hergestellt und darin der Ring aus dem gewünschten Edelmetall gegossen. Die Materialvielfalt ist hier vollständig gegeben: Silber, Palladium, Weiss- oder Gelbgold, Titan oder Platin… ganz nach dem Geschmack und Budget des Kundens.
Der frisch gegossene Ring ist aber noch lange nicht fertig. Im Rohzustand wirkt er fad und unfertig, ist scharfkantig und würde in seiner Gestalt nie als «Schmuckstück» bezeichnet werden. So gilt es nun den Gussansatz wegzusägen, zu feilen, polieren, mattieren und je nach dem auch noch mit Brillanten zu besetzen.
Wachsausschmelzverfahren, kurz erklärt
Was ich oben beschrieben habe, ist im Kern ein sehr altes Verfahren. Es heisst Wachsausschmelzverfahren, oder mit dem französischen Fachbegriff «cire perdue», also verlorenes Wachs. Verloren, weil das Modell den Vorgang nicht übersteht.
Der Ablauf ist folgender. Das fertige Wachsmodell wird mit einem Wachskanal an einen Träger gesetzt und in einen Stahlzylinder gestellt. Diesen füllt man mit einer feuerfesten Einbettmasse, die um das Modell herum aushärtet. Danach kommt der Zylinder in den Ofen. Das Wachs schmilzt und brennt aus, und zurück bleibt ein Hohlraum, der die Form des Modells exakt abbildet, bis in die feinsten Rillen. In diesen Hohlraum wird das flüssige Edelmetall gegossen, meist mit Unterstützung durch Schleuderkraft oder Unterdruck, damit es auch die dünnen Stellen erreicht. Nach dem Abkühlen wird die Einbettmasse zerschlagen, und der Rohling kommt zum Vorschein.
Weil das Modell dabei zerstört wird, gibt es von jedem Wachsmodell genau ein Gussstück. Das ist der Grund, warum sich auf diesem Weg Unikate herstellen lassen und keine Serien.
Warum das Metall danach schrumpft
Ein Punkt, den ich meiner Kundschaft gerne erkläre, weil er überrascht: Metall zieht sich beim Erstarren zusammen. Ein gegossener Ring wird also etwas kleiner als das Wachsmodell. Wie viel, hängt von der Legierung ab. Deshalb wird das Modell von Anfang an entsprechend grösser angelegt. Das ist Erfahrungssache, und es ist einer der Gründe, warum ich bei der Ringgrösse lieber selbst Mass nehme.
Was der Guss kann und was nicht
Der Guss ist stark bei plastischen Formen, bei organischen Strukturen und überall dort, wo etwas aus dem Vollen herauswachsen soll. Ein Fingerabdruck im Ring entsteht auf genau diesem Weg, weil er sich in erwärmtes Wachs eindrücken lässt.
Für andere Aufgaben ist das Schmieden besser. Geschmiedetes Material ist dichter, weil das Gefüge beim Bearbeiten verdichtet wird, und es verträgt mehr. Wo ein Ring sehr schmal wird oder stark belastet ist, arbeite ich deshalb lieber von Hand aus Draht oder Blech. Bei vielen Stücken kombiniere ich beides: gegossene Teile und geschmiedete Teile in einem Schmuckstück.
Wie aus einer Idee über Skizze und Modell ein fertiges Paar wird, habe ich auf meiner Seite zu Trauringen beschrieben.








