Der Wunsch, dass ein Schmuckstück möglichst lange aussieht wie neu, ist häufig gross. Meist kommen deswegen Edelmetalllegierungen zum Einsatz, welche besonders widerstandsfähig gegen Kratzer, Schläge und Dellen sind. Reines Feingold wird eher selten verwendet, denn es ist relativ weich und empfindlich. Doch genau diese Eigenschaften können manchmal erwünscht sein.
Bei diesem handgeschmiedeten Trauring habe ich nur reines Feingold verwendet. Zuerst schmiedete ich aus dem rohen Material einen Profilstreifen, danach formte ich ihn zum Ring. Die Kraft jedes einzelnen Hammerschlages zeichnete sich im Material ab, eine dementsprechend rohe, authentische Erscheinung hatte der fertige Ring.
Doch damit ist der «Entwicklungsprozess» noch lange nicht abgeschlossen. Erst durch das Tragen im Alltag beginnt der Ring gewissermassen zu leben. Er wird sich verändern und verformen. Zu keiner Zeit sehen die Ringe gleich aus, trotzdem wirken sie edel, wertvoll und schön. Sie symbolisieren die Wandlung der Liebe der beiden Ringträger: Anfänglich wirkt alles perfekt und makellos, später kräftigt sie sich durch das Erlebte, erfährt Wendungen und man durchlebt gemeinsam Höhen und Tiefen. Die Spuren des gemeinsamen Lebens manifestieren sich im Feingold-Ehering.
Diese Art von Eheringen ist nicht jedermanns Geschmack, doch Individualisten spüren in Ihnen die Kraft des Einzigartigen.
Warum reines Gold selten für Schmuck verwendet wird
Feingold ist Gold ohne Zusätze, in der Praxis 999er. Es ist tiefgelb, läuft nie an, ist chemisch praktisch unangreifbar und wird von jeder Haut vertragen. Und es ist weich.
Wie weich, lässt sich schwer beschreiben: Ein Feingoldring lässt sich mit den Fingern verformen, wenn man will. Beim Tragen bekommt er Dellen, Kerben und Kratzer schneller als jede Legierung. Deshalb wird Gold für Schmuck üblicherweise legiert, meist zu 750er oder 585er, weil Kupfer und Silber es deutlich härter machen. Der Preis dafür ist, dass die Farbe blasser wird.
Bei diesem Ring war die Weichheit kein Nachteil, den man in Kauf nahm, sondern der Grund für die Wahl.
Ein Ring, der sich weiterentwickelt
Der Gedanke dahinter finde ich einen der schönsten, die mir in der Beratung begegnet sind: Der Ring soll sich verändern.
Ein Ring aus einer harten Legierung soll möglichst lange aussehen wie am ersten Tag. Ein Feingoldring tut das Gegenteil. Er nimmt jede Berührung auf, wird runder an manchen Stellen und kantiger an anderen, sammelt Spuren. Nach zehn Jahren ist er ein anderer Ring, und nach zwanzig wieder.
Wer das als Symbol für eine Beziehung sieht, hat ein Argument, das kein Material sonst bietet. Wer einen Ring möchte, der bleibt, wie er ist, sollte die Finger davon lassen, und das sage ich vorher deutlich.
Geschmiedet, mit sichtbaren Hammerschlägen
Der Ring entstand nicht als Guss, sondern von Hand: erst ein Profilstreifen aus dem rohen Material geschmiedet, dann zum Ring geformt.
Beim Schmieden wird das Gefüge des Metalls verdichtet, was auch bei Feingold hilft, wenn es die Weichheit nicht aufhebt. Und die Hammerschläge bleiben sichtbar, was zur Idee passt: Ein Ring, der Spuren sammeln soll, darf schon welche mitbringen.
Was Sie zur Pflege wissen sollten: Nicht polieren. Bei einem Ring, dessen Reiz aus den Spuren kommt, wäre das das Gegenteil dessen, was gewollt ist. Wenn er nach Jahren unangenehm zu tragen wird, weil sich eine Kante gebildet hat, richte ich sie im Atelier.
Welche Materialien es sonst gibt und wie sie sich unterscheiden, finden Sie auf meiner Seite zu Trauringen und in meinem Beitrag über Karat und Feingehalt.







