Wenn Sie ein Schmuckstück mal genau anschauen, dann entdecken Sie meist an einer unauffälligen Stelle verschiedene Zeichen und Ziffern, die mit Punzen ins Material gestempelt wurden. Jedes in der Schweiz verkaufte Schmuckstück aus Edelmetall muss mit der Verantwortlichkeitsmarke und mit dem Feingehaltsstempel versehen werden.
Die Ziffern stehen für den Feingehalt (z.B. 925 für Sterlingsilber oder 750 bei Weiss- oder Gelbgold), je kleiner der Wert umso geringer der Anteil des Edelmetalls in der verwendeten Legierung. Mehr zum Thema schrieb ich vor einiger Zeit in diesem Artikel: «Etwas Materialkunde: Was bedeutet Karat, 750 Gold etc?»
Verantwortlichkeitsmarke – Eine gestempelte Unterschrift
Das zweite Symbol ist die Verantwortlichkeitsmarke. Damit «unterschreibt» der Hersteller oder Händler des Schmuckstückes und übernimmt damit die Verantwortung über den deklarierten Edelmetallgehalt des Objekts. Die Verantwortlichkeitsmarke muss der Hersteller beim Zentralamt für Edelmetallkontrolle hinterlegen und alle 20 Jahre erneuern.
Auch ich stemple meine Kreationen mit meiner Verantwortlichkeitsmarke. Damit garantiere ich nicht nur die Echtheit, sondern auch die Herkunft aus meinem Goldschmiedeatelier.
25 Jahre Goldschmiede
Aaaaachtung! Eine Ankündigung: Dieses Jahr feiere ich das 25-jährige Bestehen meiner Goldschmiede. Für den Juni plane ich dann ein schönes Jubiläumsfest, Details folgen natürlich an dieser Stelle zu gegebener Zeit.
Ein kleines Jubiläumsgeschenk habe ich mir bereits geleistet: Eine neu gestaltete Verantwortlichkeitsmarke ziert seit diesem Jahr meine neu geschaffenen Schmuckstücke.
Was auf einem Schweizer Schmuckstück stehen muss
In der Schweiz ist die Sache klar geregelt. Auf einem Schmuckstück aus Edelmetall müssen zwei Angaben stehen: der Feingehalt als Zahl und die Verantwortlichkeitsmarke des Herstellers oder Händlers. Zuständig ist das Zentralamt für Edelmetallkontrolle, das heute zum Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit gehört. Dort ist jede Marke mit ihrem Inhaber registriert, und dort lässt sich auch nachschauen, wer hinter einem Zeichen steht.
Das ist mehr als eine Formalität. Der Feingehalt lässt sich von aussen nicht überprüfen, ein Ring aus 585er Gold sieht einem aus 750er Gold zum Verwechseln ähnlich. Die Marke ist deshalb die Unterschrift, mit der jemand für seine Angabe einsteht und im Zweifelsfall auch belangt werden kann.
Wo Sie die Stempel finden
Bei einem Ring stehen die Zeichen fast immer innen, meist nebeneinander. An einer Halskette finden Sie sie am Schloss oder an einem kleinen angelöteten Plättchen, bei Ohrschmuck an der Rückseite oder am Stift. Sie sind bewusst klein gehalten, damit sie nicht störend wirken. Eine Lupe hilft, denn die Punzen sind oft nur einen Millimeter gross.
Wenn Sie an einem Stück gar keine Stempel finden, muss das nicht heissen, dass es minderwertig ist. Bei sehr feinen Teilen ist manchmal kein Platz, und bei älteren oder importierten Stücken gelten teils andere Regeln. Es heisst aber, dass Sie sich auf die Materialangabe nicht verlassen können. Bringen Sie das Stück in diesem Fall zu einem Goldschmied, wir können den Feingehalt bestimmen.
Warum das beim Verkauf und beim Umarbeiten zählt
Wenn Sie Altgold verkaufen oder umarbeiten lassen, ist der Feingehalt die Grundlage für alles. Er entscheidet, wie viel reines Edelmetall in Ihrem Stück steckt. Ohne Stempel muss der Gehalt zuerst bestimmt werden. Ich arbeite gerne Altgold und Erbstücke in neue Schmuckstücke ein, und ein gestempeltes Stück macht diesen Weg einfacher. Mehr dazu, was Feingehalt und Karat genau bedeuten, steht in meinem Beitrag über Karat und 750er Gold.
Jedes Stück, das mein Atelier verlässt, trägt meine Marke. Auch die Trauringe, die ich von Hand fertige, sind gestempelt, und zwar nicht nur, weil es so vorgeschrieben ist.








