Heute möchte ich Euch eine ganz besondere Geschichte erzählen, nämlich die eines sportlichen Kunden, seines Zeichens leidenschaftlicher Biker.
Zu später Stunde hatte er, es hatte bereits eingedunkelt, eine Panne mit seinem Gefährt. Gut ausgerüstet konnte er diese aber schnell beheben und kam wohl behütet zu Hause an. In der Nacht schreckte er auf. Er realisierte, dass er seinen Trauring nicht mehr trug. Hektische Gedanken schossen durch den Kopf, schnell war ihm klar, dass er ihn auf seiner Biketour, eventuell bei der Pannenstelle verloren haben musste. Kaum war der Tag angebrochen, sattelte er seinen Drahtesel und fuhr die Strecke erneut ab, mit Argusaugen nach dem verlorenen Ring Ausschau haltend… er wurde fündig, wenn auch er ihn in «leicht anderer Form» in Erinnerung hatte. Ein schweres Gefährt, Auto, Traktor, was auch immer, musste darüber gefahren sein und verformte ihn aufs Gröbste.
Mit wenig Hoffnung kam er mit diesem platten Etwas zu mir. Es war eine grosse Herausforderung, den ihm viel bedeutenden Ring «aufzupäppeln», ihm seine ursprüngliche Form und Erscheinung zurückzugeben. Aber es gelang! Und so ging ein Biker überglücklich und dankbar von dannen.
Was bei einem verformten Ring möglich ist
Ein plattgedrückter Ring sieht hoffnungslos aus, und in vielen Fällen ist er es nicht. Ob eine Wiederherstellung gelingt, hängt an drei Fragen.
Ist das Material noch vollständig? Solange nichts abgebrochen oder weggeschliffen ist, lässt sich Metall zurückformen. Was fehlt, muss ergänzt werden, und dann sieht man die Stelle unter Umständen.
Ist das Material gerissen? Beim Plattdrücken wird das Metall stark gedehnt, und wenn es dabei aufgerissen ist, muss der Riss verlötet werden. Bei Gold und Silber geht das gut, bei Titan nur begrenzt, bei einer Carbon-Einlage nicht.
Sind Steine im Spiel? Die sind das eigentliche Risiko. Bei einem verformten Ring stehen die Fassungen unter Spannung, und Steine können bereits gesprungen sein, ohne dass man es von aussen sieht. Deshalb fasse ich sie bei solchen Arbeiten meist aus, bevor ich am Ring arbeite.
Wie das Zurückformen abläuft
Nicht mit einem Schlag, sondern in vielen kleinen Schritten und mit Zwischenglühen.
Metall wird beim Verformen härter, und ein plattgedrückter Ring ist an den Biegestellen bereits stark verfestigt. Wer ihn ohne Glühen zurückbiegt, riskiert einen Bruch. Also: erwärmen, damit sich das Gefüge entspannt, ein Stück formen, wieder erwärmen. Bei einem stark verformten Ring wiederholt sich das mehrfach.
Danach folgt die eigentliche Arbeit: Der Ring ist rund, aber seine Oberfläche trägt jede Spur. Feilen, Schleifen, Polieren oder die Struktur neu anlegen, je nachdem, wie er ursprünglich aussah. Genau hier entscheidet sich, ob man dem Ring die Geschichte ansieht.
Wann ich abrate
Wenn ein Ring so stark beschädigt ist, dass beim Zurückformen mehr Material verloren geht als bleibt, sage ich das. Ein Ring, der danach dünn und instabil ist, hält den nächsten Alltag nicht durch.
In solchen Fällen gibt es die Alternative: den Ring einschmelzen und neu anfertigen, mit demselben Material. Er ist dann nicht mehr derselbe Gegenstand, das Gold ist aber dasselbe.
Bringen Sie einen beschädigten Ring in jedem Fall vorbei, auch wenn er aussieht wie ein plattes Etwas. Ich sage Ihnen, was möglich ist, bevor irgendetwas beginnt. Melden Sie sich bei mir in Rorschach.







