Als meine Kundin mir ihren Wunsch begann zu äussern, ahnte ich noch nicht, dass mir dies schlaflose Nächte bereiten würde. Als Jägerin wünschte sie sich zur Jägerpatentprüfung ein aussergewöhnliches Schmuckstück: Eine Edelweissblüte aus Fuchszähnen als Anhänger, welcher später eine Tracht schmücken sollte.
Die Idee war zwar schnell skizziert, das Vorgehen erforderte jedoch einiges mehr an Zeit. In zahllosen Stunden – zu allen möglichen Tageszeiten – verifizierte ich Ideen und tüftelte an Methoden, wie sich die Fuchszähne optimal anordnen und fixieren liessen. Rückschläge waren zu verkraften, neue Geistesblitze trieben mich voran.
Für die Mitte des Anhängers gestaltete ich einen filigranen Blütenkern aus Edelstahl, aufwändig von Hand modelliert. Es waren einige Anläufe nötig, bis sich die verschiedenen Materialien zu einem schönen, stabilen Ganzen verbinden liessen.
Es war ein schöner Moment, als ich den Anhänger der Kundin überreichen durfte. Ihre Augen funkelten vor Freude, der schönste Lohn für mich als Goldschmiedin. Sie trägt den Anhänger nun als Collier an einem schlichten Kautschuckband, welches für einen zusätzlichen Kontrast sorgt.
Wenn ein Material nicht aus der Werkstatt kommt
Fuchszähne sind kein Werkstoff, für den es im Goldschmiedehandwerk erprobte Handgriffe gibt. Genau darin lag die Arbeit, und daher die schlaflosen Nächte.
Bei Metall weiss ich, wie es sich beim Löten verhält, wie viel es aushält, wie es sich beim Erwärmen bewegt. Bei einem gewachsenen Material weiss ich das nicht. Jeder Zahn ist anders geformt, anders gross, und er verzeiht keine Hitze. Man kann ihn nicht anlöten und nicht nachbiegen. Alles muss also mechanisch gelöst werden, über Fassungen, die den Zahn halten, ohne ihn zu quetschen, und die zugleich so klein sein müssen, dass sie die Blütenform nicht zerstören.
Dazu kommt die Statik. Eine Edelweissblüte hat Blätter, die nach ausserhalb zeigen. Jedes davon wirkt als Hebel, und an einer Tracht wird ein Anhänger bewegt und angestossen. Die Verbindung muss diese Kräfte aufnehmen, ohne dass ein Zahn irgendwann herausfällt. Deshalb waren mehrere Anläufe nötig, bis Form und Festigkeit zusammen stimmten.
Der Blütenkern aus Edelstahl
Für die Mitte habe ich Edelstahl gewählt, und das aus einem sachlichen Grund. Der Kern ist das Bauteil, das alle Zähne zusammenhält, also der am stärksten belastete Teil des Anhängers. Edelstahl ist härter als Edelmetall und lässt sich in dünnen Querschnitten belastbar ausführen. Ausserdem passt der graue Ton besser zum Weiss der Zähne als Gelbgold, das den Blick von ihnen wegziehen würde.
Modelliert ist der Kern von Hand, denn eine Blüte braucht Unregelmässigkeit. Ein exakt symmetrischer Kern hätte technisch gestimmt und botanisch falsch ausgesehen.
Trachtenschmuck und Jagdschmuck
Solche Aufträge erreichen mich regelmässig, und sie folgen fast immer demselben Muster: Es gibt ein Material mit persönlicher Bedeutung, und daraus soll etwas Tragbares werden. Häufig sind es Trophäen, gelegentlich ein Stein von einem besonderen Ort, manchmal auch das Gold eines Erbstücks.
Was Sie dabei wissen sollten: Bei gewachsenen Materialien kann ich vorher nicht immer garantieren, dass die geplante Form umsetzbar ist. Ich sage Ihnen offen, wo ich ein Risiko sehe, und wir klären vorher, was passiert, wenn ein Stück beim Bearbeiten bricht. Bei einem unwiederbringlichen Material ist das eine Frage, die man nicht erst mittendrin stellt.
Wenn Sie etwas Vergleichbares vorhaben, sprechen Sie mich an. Weitere Arbeiten dieser Art finden Sie bei den Kundenanfertigungen.







