Manche Geschichten hinter meinen Schmuckstücken sind wahrlich tragisch. So auch in diesem Fall, als ein Mann mich kontaktierte und erzählte, dass seine geliebte Ehefrau verstorben sei und er sich wünsche, ihre Trauringe zu einem Anhänger zu vereinen.
Ich sammelte meine Gedanken, suchte Ideen und vertiefte diese mit Skizzen. Als ich mich später an die Umarbeitung setzte, begleiteten mich die Gedanken an die Liebe, die Tragik, die Vergänglichkeit. Es war irgendwie eine ergreifende, fast schon spirituelle Arbeit für mich.
Für diese Umarbeitung brauchte ich übrigens kein neues Edelmetall einzusetzen. Die Eheringe waren schön massiv und boten genügend Material und Fläche, sogar die Öse konnte ich direkt aus dem vorhandenen Gold formen.
Wenn Schmuck zur Erinnerung wird
Solche Aufträge nehme ich anders an als andere. Es geht nicht um Gestaltung, sondern darum, etwas zu bewahren, und die Person, die vor mir sitzt, ist meist in einer Ausnahmesituation. Deshalb lasse ich in diesen Gesprächen mehr Zeit als üblich, und ich dränge zu nichts.
Was ich dabei gelernt habe: Es ist gut, nicht sofort zu entscheiden. Ein Ring, der eingeschmolzen ist, ist als Gegenstand weg. Wer unsicher ist, soll die Stücke wieder mitnehmen und in einigen Wochen wiederkommen. Das habe ich schon mehrfach vorgeschlagen, und noch nie hat es jemand bereut.
Welche Wege es gibt
Es gibt mehr Möglichkeiten als das Einschmelzen, und sie unterscheiden sich darin, wie viel vom Original erhalten bleibt.
Einschmelzen und neu gestalten. Das Material wird zu einem neuen Stück, hier zu einem Anhänger. Die Ringe sind darin enthalten, aber nicht mehr erkennbar. Das ist der freieste Weg gestalterisch.
Umarbeiten mit erkennbaren Teilen. Ein Ringsegment bleibt als Segment sichtbar und wird in eine neue Form eingebaut. Man erkennt, dass ein Ring darin steckt.
Aufnehmen ohne Verändern. Der Ring bleibt vollständig und wird von einem neuen Element getragen, etwa in eine Fassung gesetzt oder von einem Bügel gehalten. Nichts geht verloren.
Bei diesem Anhänger war das Einschmelzen richtig, und es hatte einen praktischen Vorteil: Die Ringe waren massiv genug, dass kein neues Gold nötig war. Sogar die Öse konnte ich aus dem vorhandenen Material formen. Der Anhänger besteht damit ausschliesslich aus dem Gold der beiden Eheringe.
Was ich vorher sage
Drei Dinge gehören ins Gespräch, bevor ich anfange.
Beim Einschmelzen kann eine Gravur nicht erhalten werden. Wenn eine Innengravur wichtig ist, muss der Weg ein anderer sein, oder wir nehmen die Gravur vorher ab und tragen sie neu auf.
Steine aus alten Ringen lassen sich fast immer weiterverwenden. Beim Ausfassen zeigt sich manchmal ein Riss, der unter der Fassung verborgen war. Das sage ich, sobald ich es sehe.
Und: Ich fotografiere die Stücke vor der Arbeit. Was danach nicht mehr existiert, soll wenigstens auf einem Bild bleiben.
Wenn Sie etwas Ähnliches vorhaben, melden Sie sich bei mir. Nehmen Sie sich Zeit für den Termin, und bringen Sie mit, was Sie haben.







