Es gibt für einen echten Goldschmieden nichts Schöneres, als wenn er sich bei der Gestaltung eines Schmuckstückes frei entfalten kann. Dennoch ist es keine Einschränkung, wenn der Kunde noch eigene Anregungen dazu einbringt. In diesem Fall hat die Kundin einen wunderschönen Sternsaphir aus Thailand mitgebracht, den ich in einem Ring verarbeiten durfte.
Damit der Sternsaphir optimal zu Geltung kommt, wählte ich eine organische Form mit einer rauhen Oberfläche, schön breit und relativ wuchtig. Palladium war das Material erster Wahl. Dieses weisse Edelmetall mit einem dezenten Blauchstich lässt den Edelstein besonders strahlen.
Wie der Stern in den Saphir kommt
Der Effekt heisst Asterismus, und er ist eines der schönsten Phänomene, die Steine zu bieten haben.
Im Inneren des Saphirs liegen mikroskopisch feine, nadelförmige Einschlüsse, meist Rutil. Sie ordnen sich beim Wachstum entlang der Kristallachsen an, und weil Korund eine sechszählige Struktur hat, liegen sie in drei Richtungen, die sich in 60-Grad-Winkeln kreuzen. Fällt Licht darauf, wird es an jeder Nadelgruppe zu einem Lichtband gebündelt. Drei gekreuzte Bänder ergeben den sechsstrahligen Stern.
Daraus folgt zweierlei. Erstens: Ein Sternsaphir muss als Cabochon geschliffen werden, also mit gewölbter Oberseite ohne Facetten. Nur die Wölbung sammelt das Licht so, dass der Stern zustande kommt. Ein facettierter Schliff würde ihn zerstören. Zweitens: Was bei anderen Steinen ein Mangel ist, nämlich Einschlüsse, ist hier die Voraussetzung. Ein völlig reiner Saphir hätte keinen Stern.
Der Stern lebt vom Licht. Bei direktem, punktförmigem Licht steht er scharf, bei diffusem Tageslicht verschwimmt er. Das gehört dazu und ist kein Fehler.
Warum Palladium für diesen Stein
Im Text steht, dass Palladium einen dezenten Blaustich hat, und genau das ist der Grund für die Wahl. Bei einem blauen Stein verstärkt eine leicht kühle Fassung die Farbe, während Gelbgold einen warmen Ton dagegensetzen und den Saphir grünlicher erscheinen lassen würde.
Palladium hat weitere Vorzüge für ein solches Stück: Es ist von Natur aus weiss und braucht keine Rhodinierung, die sich abnutzen könnte. Es ist deutlich leichter als Platin, was bei einem breiten, wuchtigen Ring den Unterschied macht. Und es gilt als gut hautverträglich.
Einen mitgebrachten Stein fassen
Wenn Kundschaft einen eigenen Stein mitbringt, ändert das die Reihenfolge: Nicht der Entwurf bestimmt den Stein, sondern der Stein den Entwurf. Bei einem Cabochon mit Sterneffekt kommt dazu, dass er von oben gesehen werden muss und die Fassung ihn nicht überdecken darf.
Eine raue, organische Oberfläche wie bei diesem Ring ist dabei eine gute Wahl. Neben einer polierten Fläche würde der Stein optisch konkurrieren, neben einer matten Struktur steht er allein im Licht.
Ein Hinweis zur Pflege: Korund ist mit einer Härte von 9 ausgesprochen widerstandsfähig, ein Cabochon steht aber gewölbt über die Ringfläche und trifft Stösse zuerst. Bei grober Arbeit lieber abnehmen. Weitere Kundenanfertigungen finden Sie im Schaufenster.








Ein wunderschöner Ring.
S. hat eine riesige Freude am Ring und sie trägt ihn immer mit grossem Stolz. Doch den Sternsaphir haben wir direkt vom Schürfer aus Sri Lanka erstanden. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen und grüsse dich ganz herzlichst. P;-)))