Nicht immer schaffe ich aus dem Nichts ein neues Objekt. Ab und an erhalte ich von meinen Kunden eine Skizze oder ein altes Schmuckstück als Ausgangslage. So auch in diesem Fall.
Der Solitär-Ring hatte schon manches erlebt und gesehen und entsprechend gross war die Bedeutung für meine Kundin. Dennoch sollte er an Ausdruck und Wirkung gewinnen und mit einem frischen Gewand neu erstrahlen.
In einem angeregten Beratungsgespräch spürte ich, dass der Ring deutlich breiter sein dürfe, dennoch soll der Solitär unverändert bleiben. Es folgte eine Zeit des Überlegens und Skizzierens, danach konnte ich der Kundin verschiedene Ideen und Möglichkeiten aufzeigen.
Sie entschied sich schliesslich für einen Aufbau im Edelmetall Palladium, der den Solitär sozusagen einfassen soll. Die auffällige Oberfläche habe ich beim Finish in sorgfältiger Handarbeit ausgestaltet.
Verbreitern statt neu fassen
Wenn ein Ring zu schmal geworden ist für den eigenen Geschmack, gibt es zwei Wege, und sie unterscheiden sich stark darin, wie viel vom Original bleibt.
Der eine ist, den Stein auszufassen und in einen neuen Ring zu setzen. Das ist gestalterisch freier, bedeutet aber, dass der alte Ring als Gegenstand aufhört zu existieren.
Der andere ist der Aufbau: Der vorhandene Ring bleibt vollständig, samt Fassung und Stein, und wird von neuem Material umschlossen. Aussen sieht man einen breiten Ring, innen steckt der alte. Bei einem Stück mit Geschichte ist das meist der bessere Weg, denn ausfassen ist immer auch ein Risiko für den Stein.
Bei diesem Ring war der Wunsch klar: deutlich breiter, der Solitär unverändert. Damit war der Weg vorgegeben.
Was dabei zu klären ist
Drei Punkte, und alle vor dem ersten Handgriff.
Die Höhe. Ein Aufbau macht den Ring nicht nur breiter, sondern auch dicker. Ein Solitär steht ohnehin über die Ringfläche hinaus, und wenn darunter noch Material dazukommt, sitzt der Stein höher als vorher. Das kann gewollt sein oder störend werden, weshalb wir es am Modell prüfen.
Die Grösse. Der alte Ring gibt den Innendurchmesser vor. Wird innen etwas aufgebaut, wird der Ring enger, also muss der Aufbau aussen erfolgen. Passt der alte Ring nicht mehr, muss er zuerst angepasst werden, und bei einem gefassten Stein ist das mehr Arbeit.
Das Material. Hier war es Palladium, und das ist eine gute Wahl: von Natur aus weiss, ohne Rhodinierung beständig, deutlich leichter als Platin. Bei einem Ring, der durch den Aufbau schwerer wird, zählt das Gewicht.
Die Oberfläche als eigentliche Gestaltung
Bei einem Aufbau ist die Oberfläche das, was den Ring am Ende ausmacht. Die Form ist durch den vorhandenen Ring weitgehend bestimmt, der Charakter entsteht im Finish.
Deshalb steckt hier die meiste Handarbeit. Eine auffällige, unregelmässige Oberfläche lässt sich nicht in einem Zug erzeugen, sondern wird in mehreren Durchgängen herangearbeitet, und unterwegs muss man entscheiden, wann es genug ist.
Wenn Sie ein Stück haben, das gewinnen soll ohne sich zu verlieren, bringen Sie es mit. Melden Sie sich bei mir, weitere Arbeiten dieser Art finden Sie im Schaufenster.









Sehr kreative Ideen…gefällt mir